Stellungnahme von Biene Österreich zum Handelsabkommen EU-Mercosur
Das geplante EU-Mercosur-Partnerschaftsabkommen sieht eine erhebliche Ausweitung der Honigimporte in die Europäische Union vor. Vorgesehen ist eine zollfreie Importquote von rund 45.000 Tonnen Honig, die schrittweise über einen Zeitraum von fünf Jahren eingeführt werden soll. Diese Quote gilt für Honig aus den Mercosur-Staaten, darunter Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay.
Bereits heute stammen etwa 24.000 Tonnen der Honigimporte in die EU aus Mercosur-Ländern. Die im Abkommen vorgesehene Quote würde dieses Volumen deutlich erhöhen (Quelle: literatur.thuenen.de).
Parallel bedeutet ein neues Handelsabkommen mit der Ukraine ab dem Jahr 2026 eine Steigerung der zollfreien Honigimporte um 583 %. Die bisherige Grenze von 6.000 Tonnen wurde auf 35.000 Tonnen angehoben.
Für den heimischen Imkereisektor bedeutet mehr Importhonig die Erhöhung des Wettbewerbsdruck – obwohl der Honigmarkt bereits heute durch niedrige Erzeugerpreise und hohe Importmengen gekennzeichnet ist (Quelle: Deutscher Imkerbund e. V.).
Europäische Imker sind nicht gegen fairen Wettbewerb – im Gegenteil, fairer Wettbewerb ist ausdrücklich willkommen und eine treibende Kraft für Fortschritt. Das Problem ist nicht der Handel oder Importe an sich. Das eigentliche Problem liegt in einem dysfunktionalen globalen Honigmarkt, in dem Lebensmittelbetrug in großem Ausmaß stattfindet und durch neue Handelsabkommen weiter begünstigt werden kann.
In großen Mengen gelangen honigähnliche Produkte auf den Markt, die teilweise oder zur Gänze statt aus Honig aus industriell hergestellten Zuckersirupen bestehen, die die Zusammensetzung von Honig imitieren. Sie wurden gezielt so entwickelt, dass sie die derzeit angewandten offiziellen Testmethoden bestehen. Die Folge ist eine Verzerrung des Marktes und die Zerstörung einer angemessenen Preisbildung für echten unverfälschten Honig. Es geht um nicht Banalitäten für die heimische Imkereien, sondern um existenzbedrohende Konsequenzen und Täuschung der Konsumenten.
Unabhängige Belege bestätigen das Ausmaß des Problems:
→ https://cleanupthehoneymarket.com/wp-content/uploads/2024/04/Press-Release-The-EU-market-is-flooded-with-syrup-based-honey-finally-putting-a-figure-on-foul-play.pdf
Die Position der europäischen Imkerorganisationen – EBA, EPBA und BeeLife – ist klar und unmissverständlich:
Bevor Honigimporte ausgeweitet oder Zollbefreiungen gewährt werden, muss ein wirksames Kontroll- und Durchsetzungssystem eingeführt werden, das die Authentizität des importierten Honigs zuverlässig sicherstellt. Das bedeutet, jede importierte Honigcharge muss zumindest im Mengenfluss und in seinem Ursprung nachvollziehbar sein:
Verbraucherschutz und Vertrauensverlust
Neben den wirtschaftlichen Auswirkungen auf die Imkerei stellt der zunehmende Import nicht authentischer Honige ein erhebliches Risiko für den Verbraucherschutz dar. Verbraucherinnen und Verbraucher werden systematisch getäuscht, wenn als „Honig“ deklarierte Produkte in Wahrheit aus Zuckersirupen bestehen. Dies untergräbt das Vertrauen in Lebensmittelkennzeichnung, Kontrollsysteme und letztlich in den europäischen Binnenmarkt selbst.
Widerspruch zu EU-Politiken (Green Deal, Farm-to-Fork, Biodiversität)
Die Ausweitung von Honigimporten ohne wirksame Kontrollmechanismen steht zudem im Widerspruch zu zentralen Zielen der EU, insbesondere dem Europäischen Green Deal, der Farm-to-Fork-Strategie und der Biodiversitätsstrategie. Europäische Imkereien leisten einen unverzichtbaren Beitrag zur Bestäubung, zur Biodiversität und zur Stabilität landwirtschaftlicher Erträge. Ihre wirtschaftliche Schwächung konterkariert diese politischen Zielsetzungen.
Asymmetrische Wettbewerbsbedingungen (Sozial-, Umwelt- und Produktionsstandards)
Hinzu kommt, dass Imkereien in Drittstaaten häufig unter deutlich geringeren Umwelt-, Sozial- und Kontrollauflagen produzieren als europäische Betriebe. Während europäische Imkerinnen und Imker strenge Anforderungen an Tiergesundheit, Rückstandsgrenzen, Dokumentation und Lebensmittelsicherheit erfüllen müssen, gelangen Produkte aus Drittstaaten vielfach ohne vergleichbare Standards auf den Markt. Dies führt zu strukturell unfairen Wettbewerbsbedingungen.
Risiko der irreversiblen Marktzerstörung
Ein einmal zerstörter Markt für hochwertigen, authentischen Honig lässt sich nicht kurzfristig wiederherstellen. Wenn Imkereibetriebe aufgrund dauerhaft verzerrter Preise aufgeben müssen, gehen Fachwissen, regionale Strukturen und Bestäubungsleistungen verloren. Diese Schäden sind langfristig und in vielen Regionen irreversibel.
Forderung nach „Importstopp bei Systemversagen“ (klarer politischer Hebel)
Sollte sich zeigen, dass die erforderlichen Kontroll- und Durchsetzungsmechanismen nicht wirksam umgesetzt werden können, müssen Importquoten und Zollvergünstigungen für Honig aus Drittstaaten ausgesetzt oder begrenzt werden. Handelsliberalisierung darf nicht zulasten von Marktintegrität, Verbraucherschutz und europäischer Primärproduktion erfolgen.
Fehlende Ausgleichsmechanismen für die Imkerei
In anderen Bereichen der europäischen Landwirtschaft werden die Auswirkungen internationaler Handelsabkommen durch Ausgleichszahlungen, Marktstützungsinstrumente oder Krisenmechanismen zumindest teilweise abgefedert. Für die Imkerei existieren vergleichbare Instrumente jedoch nicht oder nur in völlig unzureichendem Umfang.
Während europäische Imkerinnen und Imker denselben Marktöffnungen und Preisverwerfungen ausgesetzt sind wie andere landwirtschaftliche Erzeuger, fehlt es an wirksamen finanziellen oder strukturellen Absicherungen. Die Imkerei wird damit faktisch einer vollständigen Marktliberalisierung überlassen, ohne die politischen Schutzmechanismen, die in anderen Agrarsektoren als selbstverständlich gelten.
Diese Ungleichbehandlung ist sachlich nicht gerechtfertigt, zumal die Imkerei neben der Honigproduktion erhebliche öffentliche Leistungen erbringt – insbesondere im Bereich der Bestäubung und der Biodiversität –, die bislang nicht angemessen honoriert werden.
Europäische Imkerinnen und Imker benötigen einen fairen Honigmarkt
Ein fairer Honigmarkt ist nur dann möglich, wenn für alle Marktteilnehmer dieselben Regeln gelten und Betrug konsequent ausgeschlossen wird. Dies ist die Voraussetzung für die wirtschaftliche Zukunft der europäischen Imkerei, für den Schutz der Verbraucherinnen und Verbraucher und für die Glaubwürdigkeit europäischer Umwelt- und Nachhaltigkeitspolitik.
Bereits heute stammen etwa 24.000 Tonnen der Honigimporte in die EU aus Mercosur-Ländern. Die im Abkommen vorgesehene Quote würde dieses Volumen deutlich erhöhen (Quelle: literatur.thuenen.de).
Parallel bedeutet ein neues Handelsabkommen mit der Ukraine ab dem Jahr 2026 eine Steigerung der zollfreien Honigimporte um 583 %. Die bisherige Grenze von 6.000 Tonnen wurde auf 35.000 Tonnen angehoben.
Für den heimischen Imkereisektor bedeutet mehr Importhonig die Erhöhung des Wettbewerbsdruck – obwohl der Honigmarkt bereits heute durch niedrige Erzeugerpreise und hohe Importmengen gekennzeichnet ist (Quelle: Deutscher Imkerbund e. V.).
Europäische Imker sind nicht gegen fairen Wettbewerb – im Gegenteil, fairer Wettbewerb ist ausdrücklich willkommen und eine treibende Kraft für Fortschritt. Das Problem ist nicht der Handel oder Importe an sich. Das eigentliche Problem liegt in einem dysfunktionalen globalen Honigmarkt, in dem Lebensmittelbetrug in großem Ausmaß stattfindet und durch neue Handelsabkommen weiter begünstigt werden kann.
In großen Mengen gelangen honigähnliche Produkte auf den Markt, die teilweise oder zur Gänze statt aus Honig aus industriell hergestellten Zuckersirupen bestehen, die die Zusammensetzung von Honig imitieren. Sie wurden gezielt so entwickelt, dass sie die derzeit angewandten offiziellen Testmethoden bestehen. Die Folge ist eine Verzerrung des Marktes und die Zerstörung einer angemessenen Preisbildung für echten unverfälschten Honig. Es geht um nicht Banalitäten für die heimische Imkereien, sondern um existenzbedrohende Konsequenzen und Täuschung der Konsumenten.
Unabhängige Belege bestätigen das Ausmaß des Problems:
→ https://cleanupthehoneymarket.com/wp-content/uploads/2024/04/Press-Release-The-EU-market-is-flooded-with-syrup-based-honey-finally-putting-a-figure-on-foul-play.pdf
Die Position der europäischen Imkerorganisationen – EBA, EPBA und BeeLife – ist klar und unmissverständlich:
Bevor Honigimporte ausgeweitet oder Zollbefreiungen gewährt werden, muss ein wirksames Kontroll- und Durchsetzungssystem eingeführt werden, das die Authentizität des importierten Honigs zuverlässig sicherstellt. Das bedeutet, jede importierte Honigcharge muss zumindest im Mengenfluss und in seinem Ursprung nachvollziehbar sein:
- Rückverfolgbarkeit bis zum Imkereibetrieb
- Anzahl der Bienenstöcke der Imkerei
- Menge des produzierten und verkauften Honigs
Verbraucherschutz und Vertrauensverlust
Neben den wirtschaftlichen Auswirkungen auf die Imkerei stellt der zunehmende Import nicht authentischer Honige ein erhebliches Risiko für den Verbraucherschutz dar. Verbraucherinnen und Verbraucher werden systematisch getäuscht, wenn als „Honig“ deklarierte Produkte in Wahrheit aus Zuckersirupen bestehen. Dies untergräbt das Vertrauen in Lebensmittelkennzeichnung, Kontrollsysteme und letztlich in den europäischen Binnenmarkt selbst.
Widerspruch zu EU-Politiken (Green Deal, Farm-to-Fork, Biodiversität)
Die Ausweitung von Honigimporten ohne wirksame Kontrollmechanismen steht zudem im Widerspruch zu zentralen Zielen der EU, insbesondere dem Europäischen Green Deal, der Farm-to-Fork-Strategie und der Biodiversitätsstrategie. Europäische Imkereien leisten einen unverzichtbaren Beitrag zur Bestäubung, zur Biodiversität und zur Stabilität landwirtschaftlicher Erträge. Ihre wirtschaftliche Schwächung konterkariert diese politischen Zielsetzungen.
Asymmetrische Wettbewerbsbedingungen (Sozial-, Umwelt- und Produktionsstandards)
Hinzu kommt, dass Imkereien in Drittstaaten häufig unter deutlich geringeren Umwelt-, Sozial- und Kontrollauflagen produzieren als europäische Betriebe. Während europäische Imkerinnen und Imker strenge Anforderungen an Tiergesundheit, Rückstandsgrenzen, Dokumentation und Lebensmittelsicherheit erfüllen müssen, gelangen Produkte aus Drittstaaten vielfach ohne vergleichbare Standards auf den Markt. Dies führt zu strukturell unfairen Wettbewerbsbedingungen.
Risiko der irreversiblen Marktzerstörung
Ein einmal zerstörter Markt für hochwertigen, authentischen Honig lässt sich nicht kurzfristig wiederherstellen. Wenn Imkereibetriebe aufgrund dauerhaft verzerrter Preise aufgeben müssen, gehen Fachwissen, regionale Strukturen und Bestäubungsleistungen verloren. Diese Schäden sind langfristig und in vielen Regionen irreversibel.
Forderung nach „Importstopp bei Systemversagen“ (klarer politischer Hebel)
Sollte sich zeigen, dass die erforderlichen Kontroll- und Durchsetzungsmechanismen nicht wirksam umgesetzt werden können, müssen Importquoten und Zollvergünstigungen für Honig aus Drittstaaten ausgesetzt oder begrenzt werden. Handelsliberalisierung darf nicht zulasten von Marktintegrität, Verbraucherschutz und europäischer Primärproduktion erfolgen.
Fehlende Ausgleichsmechanismen für die Imkerei
In anderen Bereichen der europäischen Landwirtschaft werden die Auswirkungen internationaler Handelsabkommen durch Ausgleichszahlungen, Marktstützungsinstrumente oder Krisenmechanismen zumindest teilweise abgefedert. Für die Imkerei existieren vergleichbare Instrumente jedoch nicht oder nur in völlig unzureichendem Umfang.
Während europäische Imkerinnen und Imker denselben Marktöffnungen und Preisverwerfungen ausgesetzt sind wie andere landwirtschaftliche Erzeuger, fehlt es an wirksamen finanziellen oder strukturellen Absicherungen. Die Imkerei wird damit faktisch einer vollständigen Marktliberalisierung überlassen, ohne die politischen Schutzmechanismen, die in anderen Agrarsektoren als selbstverständlich gelten.
Diese Ungleichbehandlung ist sachlich nicht gerechtfertigt, zumal die Imkerei neben der Honigproduktion erhebliche öffentliche Leistungen erbringt – insbesondere im Bereich der Bestäubung und der Biodiversität –, die bislang nicht angemessen honoriert werden.
Europäische Imkerinnen und Imker benötigen einen fairen Honigmarkt
Ein fairer Honigmarkt ist nur dann möglich, wenn für alle Marktteilnehmer dieselben Regeln gelten und Betrug konsequent ausgeschlossen wird. Dies ist die Voraussetzung für die wirtschaftliche Zukunft der europäischen Imkerei, für den Schutz der Verbraucherinnen und Verbraucher und für die Glaubwürdigkeit europäischer Umwelt- und Nachhaltigkeitspolitik.